一厢情愿的结局--乌克兰和西方的不同战争目的

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一厢情愿的结局--乌克兰和西方的不同战争目的


四个多月来,乌克兰一直在捍卫自己的自由--在西方的数十亿美元支持下。正如伙伴们团结一致反对俄罗斯一样,他们对结束战争的要求也是不同的。


就目前而言,死亡是没有尽头的。乌克兰首席谈判代表大卫-阿拉查米亚不希望在8月底之前与莫斯科开始谈判。这位外交官在接受美国 "美国之音 "电台采访时说,然后,在南部的反攻可能成功后,基辅将处于更好的谈判地位。潜台词中的信息是:"我们还没有准备好做出让步。


 基辅甚至认为什么是 "让步 "可能是真正的问题。因为事实上,自2月24日以来,乌克兰的战争目的并没有改变。领土、经济和政治主权--从基辅的角度来看,这事关重大。但完全重新征服该国领土,包括2014年被俄罗斯吞并的克里米亚、分离主义分子控制的顿巴斯共和国以及在俄罗斯入侵期间失去的该国南部和东部领土,就目前而言几乎不现实。但这是旅行的方向,Wolodymyr Selenskyj对此毫不怀疑。




乌克兰总统在这方面不愿意妥协,这表现在他对前美国国务卿亨利-基辛格5月在达沃斯经济论坛上的讲话的反应。这位现实政治大师建议乌克兰用土地换取和平。俄罗斯应该保留克里米亚和顿巴斯,乌克兰的主权。基辛格说,其他任何事情 "都不是关于乌克兰的自由,而是关于一场针对俄罗斯本身的新战争"。Selenskyj随后指责这位99岁的老人 "绥靖主义",甚至指责他生活在错误的世纪。


这澄清了塞伦斯基对 "承认 "一词的理解:完全或根本不承认。

军火交付。害怕过多的团结

西方发现制定其梦想要困难得多。毕竟,从战争的第一天开始,他们就一直在为战后的第一天绞尽脑汁。其中一个原因是,战斗在四个月内发生的变化远远超过了专家们的预测。开始时,东方和西方都认为基辅会在几天内沦陷。当俄罗斯的闪电式胜利未能实现时,希望的嫩芽随着成功生存的每一天而增长。


几个月后,欧洲面临着一个两难境地,美国政治学家安德鲁-米赫塔在《政治》杂志上写道。虽然俄罗斯的大炮昼夜不停地开火,而且显然越来越不分青红皂白,但基辅将需要来自西方的重型武器来击退侵略者。只要出货量摇摇欲坠,这仍将是一场不公平的战斗,结局可想而知。据米赫塔称,法国和德国担心这些重型设备可能会使基辅的局势发生逆转,从而使基辅真正地超额完成任务并将战斗推向俄罗斯领土。


顿巴斯和克里米亚的小规模冲突又带来了真正的危险,即普京会看到红色并按下相同颜色的按钮。因此,"俄罗斯决不能赢得这场战争 "不是没有理由的,这是总理奥拉夫-肖尔茨迄今为止让自己得意忘形的最模糊的明确说法。他完全可以说:"俄罗斯一定不能赢,但也请不要输得太多。


当然,一个独立的、西化的乌克兰对美国来说也是一个地缘政治上的梦想成真。米赫塔认为,一旦莫斯科被裁减,华盛顿终于可以集中精力对付中国这个真正的对手。


俄罗斯决不能赢得这场战争

- 德国总理奥拉夫-肖尔茨


因为我们知道,自由是不自由的

- 美国总统乔-拜登


作为美国总统,拜登 "既不会私下也不会公开向基辅施压,要求其做出任何领土让步",乔-拜登在6月初为《纽约时报》撰写的客座文章中写道(严正报道)。 他完全明白,自由并不自由。但是,即使是美国援助的支持者也越来越多地得出结论:西方的支持只会延长民众的痛苦。在重新征服基辅郊区后绽放的那株小小的希望之花,在大西洋的另一端似乎正在枯萎。

坦克制造 俄罗斯坦克的损失


不仅是T型坦克在内部爆炸中失去炮塔。

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弹药也可能因火灾而发生爆炸。

© 乌克兰部队

弹药也可能因火灾而发生爆炸。

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这座塔成为闪电战失败的象征

© 乌克兰部队

这座塔成为闪电战失败的象征

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剩下的就是浴缸了。

© 乌克兰部队

剩下的就是浴缸了。

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乌克兰使用的T-64也是在炮塔下面有弹仓。

© Danil Shamkin/ /图片联盟

乌克兰使用的T-64也是在炮塔下面有弹仓。

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进展的结束。

© 亚历山大-雷卡//图片联盟

进展的结束。

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弹夹并不总是爆炸。

© Maxym Marusenko/ /图片联盟

弹夹并不总是爆炸。

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处于作战状态的T-72。

© Stanislav Krasilnikov/ /图片联盟

处于作战状态的T-72。

这使我们回到了开头。乌克兰继续以牙还牙,尽管优势巨大,而西方却忙于开出支票。这种情况会一直持续下去,直到有一方屈服。而普京不会。对西方来说,最舒服的解决方案是基辅同意 "注销 "顿巴斯。从今天起,这是开始认真的和平谈判或至少是停火谈判的最低条件。然而,就 "胜利 "一词而言,布鲁塞尔的解释空间要比基辅大得多。  


然而,清楚的是,这场战争--无论以何种形式--都将在某个时候结束。在这一点上,西方必须开始与俄罗斯会谈。如果到那时普京还能保持自己的权力地位(这很有可能),那么从经济和安全政策的角度来看,西方将依赖于与俄罗斯关系的 "正常化"。大规模的制裁已经把俄罗斯深深地推向了北京宽广的怀抱。因此,乌克兰战争的结束也决定了一个也许不是新的,但已经改变的世界秩序的开始。


"较小的邪恶 "的普京?

"伯明翰大学国际安全教授帕特里克-波特(Patrick Porter)在为英国杂志《评论家》撰写的一篇评论文章中写道:"乌克兰的战争目标是它的选择,但西方已经严重卷入,应该决定它将支持哪些战争目标。无论是欧盟候选国地位还是充满悲情的重建援助保证。西方在外交上表示的声援主要是象征性的。如果普京最终成功地将大部分甚至全部乌克兰领土据为己有,所有这些承诺都将无效。毕竟,欧盟不会为一个与俄罗斯相邻的乌克兰买单,更不会接受这个客户国加入欧盟。


停火不应该让普京受辱的观点长期以来一直主导着政治辩论。当然,对乌克兰来说,克里姆林宫领导人的敏感度甚至不是次要的--毕竟,这个国家首先不是在与普京作战,而是为了自由。


与基辛格这样的现实主义者相反,波特所说的 "极端主义者 "要求乌克兰毫不妥协地取得胜利,换句话说:彻底击败俄罗斯武装部队,然后让乌克兰加入北约。其中一些人,如美国记者和历史学家Anne Applebaum,甚至呼吁将羞辱和清除普京作为战争目标。这种想法可能会满足正义感,但它有不可预知的风险。毕竟,推翻沙皇并不能保证有一个民主的继任政府。


相反,相反的威胁是:宫廷革命有可能产生一个更加武断的国家元首。克里姆林宫的高层已经不乏民族主义和帝国主义的思想家。这个概念让华盛顿、柏林和其他地方的人起了鸡皮疙瘩。可以理解的是,在乌克兰没有人喜欢想象普京可能是 "较小的邪恶"。然而,一个经济上遭到破坏的俄罗斯将成为反西方行为者的玩物。西方渴望以 "面子 "的方式摆脱战争的另一个原因。


波特继续说,如果乌克兰拥有持久的力量,不仅能压制住俄罗斯军队,还能赶走他们,基辅在兴奋之余,肯定会把目光投向克里米亚。反过来,这将危险地把一个用核武器武装到牙齿的俄罗斯逼到墙角--这对西方的外交官来说是一个可怕的场景。

乌克兰的战争

莱辛斯克:莫斯科在庆祝,基辅在好战

时间在流逝

"乌克兰的真正胜利不在于战场,而在于其冲突后的重生,"另一方面,美国前情报官员克里斯托弗-奇夫维斯在为英国《卫报》撰写的客座社论中肯定道。他说,鉴于这场消耗战正在转向俄罗斯的优势,乌克兰必须趁机抓住机会。尽管这种支持很不寻常,但西方国家不可能永远承受这种支持。"战争拖得越久,道德清晰度消退的危险就越大。"五年后,就没有什么可重建的了。  


尽管听起来很可怕。当尘埃落定时,所有各方仍然希望并需要站起来。要想摆脱这种在道德、外交和军事上都同样重要的窘境,就需要有目前所缺乏的安全想象力。此外,停火--无论谁因此受到羞辱--都不能保证持久的和平,最近的历史已经以最血腥的方式表明了这一点。


西方和乌克兰无疑有一个共同的目标:结束死亡。但他们对成本问题有不同意见。这是一个道德和政治上的困境,可能是和平与独立之间的选择。因为乌克兰生活和战斗在今天,西方在明天。


资料来源:《评论家》;《政治家》;《卫报》。





ANALYSE

AUSGANGSSZENARIEN

Wunschträumen vom Ende – die unterschiedlichen Kriegsziele der Ukraine und des Westens

Seit mehr als vier Monaten verteidigt die Ukraine ihre Freiheit – mit milliardenschwerer Unterstützung des Westens. So geschlossen sich die Partner gegen Russland stellen, so unterschiedlich sind ihre Ansprüche an das Ende des Krieges.

Das Sterben nimmt vorerst kein Ende. Der ukrainische Chefunterhändler David Arachamija will erst Ende August Verhandlungen mit Moskau aufnehmen. Dann, nach einer womöglich erfolgreichen Gegenoffensive im Süden, werde Kiew in einer besseren Verhandlungsposition sein, so der Diplomat in einem Interview mit dem US-Sender "Voice of America". Die Botschaft im Subtext: "Wir sind noch nicht bereit, Eingeständnisse zu machen."

 Was Kiew überhaupt als "Eingeständnisse" betrachtet, ist wohl die eigentliche Frage. Denn tatsächlich haben sich die ukrainischen Kriegsziele seit dem 24. Februar nicht geändert. Territoriale, wirtschaftliche und politische Souveränität – nicht weniger gilt es aus Kiewer Sicht zu verteidigen. Doch ist eine vollständige Rückeroberung des Staatsgebiets, inklusive der 2014 von Russland annektierten Krim, den von Separatisten kontrollierten Donbassrepubliken und den während des russischen Überfalls verlorenen Gebieten im Süden und Osten des Landes, Stand jetzt, kaum realistisch. Doch ist das die Marschrichtung, daran lässt Wolodymyr Selenskyj keinen Zweifel.


Wie wenig kompromissbereit der ukrainische Präsident in dieser Hinsicht ist, zeigte seine Reaktion auf die Worte von Ex-US-Außenminister Henry Kissinger auf dem Wirtschaftsforum im Mai in Davos. Der Meister der Realpolitik empfahl der Ukraine Land gegen Frieden zu tauschen. Russland solle die Krim und den Donbass erhalten, die Ukraine ihre Souveränität. Bei allem anderen "würde es nicht um die Freiheit der Ukraine gehen, sondern um einen neuen Krieg gegen Russland selbst", so Kissinger. Selenskyj bezichtigte den 99-Jährigen daraufhin der "Beschwichtigungspolitik", warf ihm gar vor, im falschen Jahrhundert zu leben.

Damit ist Selenskjs Verständnis vom Begriff "Eingeständnis" geklärt: ganz oder gar nicht.


Waffenlieferungen: Angst vor zu viel Solidarität

Dem Westen fällt es da schon deutlich schwerer, seine Träume zu formulieren. Schließlich zerbricht man sich schon seit Tag 1 des Krieges den Kopf über Tag 1 nach dem Krieg. Das liegt etwa daran, dass die Kämpfe in vier Monaten weit mehr Wendungen genommen haben als Experten hatten weissagen können. Zu Beginn ging man im Osten wie im Westen davon aus, dass Kiew in wenigen Tagen fallen würde. Als der russische Blitzsieg ausblieb, wuchs mit jedem weiteren Tag des erfolgreichen Überlebens zeitgleich auch das zarte Pflänzchen Hoffnung.


Monate später steht Europa vor einem Dilemma, wie der US-Politikwissenschaftler Andrew Michta im Magazin "Politico" schreibt. Während die russische Artillerie rund um die Uhr und offenbar zunehmend wahllos feuert, bräuchte Kiew schwere Waffen aus dem Westen, um den Aggressor zurückzuschlagen. Solange der Versand stockt, bliebe es ein unfairer Kampf mit vorhersehbarem Ende. Frankreich und Deutschland, so Michta, treibe die Angst um, das schwere Gerät könne den Spieß derart umdrehen, dass Kiew wortwörtlich über das Ziel hinausschießt und den Kampf in Richtung russischer Gebiete trägt.


Gefechte im Donbass und auf der Krim wiederum bergen die reelle Gefahr, dass Putin Rot sieht und auf einen gleichfarbigen Knopf drückt. "Russland darf diesen Krieg nicht gewinnen", sind deshalb nicht ohne Grund die undeutlichsten deutlichen Worte, zu denen sich Bundeskanzler Olaf Scholz bislang hat hinreißen lassen. Was er ebenso gut hätte sagen könnten: "Russland darf nicht gewinnen, aber bitte auch nicht allzu sehr verlieren."


Natürlich ginge mit einer unabhängigen, westgewandten Ukraine auch für die USA ein geopolitischer Traum in Erfüllung. Wäre Moskau erst einmal zurechtgestutzt, könnte sich Washington endlich auf China konzentrieren, den wahren Gegner, glaubt Michta.


Russland darf diesen Krieg nicht gewinnen

– Bundeskanzler Olaf Scholz


Weil wir wissen, dass Freiheit nicht umsonst ist

– US-Präsident Joe Biden


Als Präsident der USA werde Biden Kiew "weder privat noch öffentlich zu irgendwelchen territorialen Zugeständnissen drängen", schrieb Joe Biden in einem Gastbeitrag für die "New York Times" Anfang Juni (der stern berichtete).Dass Freiheit schließlich nicht umsonst sei, dafür bringe er volles Verständnis auf. Doch gelangen selbst Befürworter der US-Hilfen inzwischen vermehrt zu der Ansicht, dass die westliche Unterstützung das Leid der Bevölkerung nur verlängert. Das nach der Rückeroberung der Kiewer Vororte blühende Pflänzchen Hoffnung geht allem Anschein nach auch jenseits des Atlantiks ein.

Panzerbau Die russischen Panzerverluste


Nicht nur die T-Panzer verlieren den Turm bei Explosionen im Inneren.

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Die Munition kann auch infolge eines Brandes explodieren.

© Ukrainian Forces

Die Munition kann auch infolge eines Brandes explodieren.

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Dieser Turm wurde zum Symbol des gescheiterten Blitzkriegs

© Ukrainian Forces

Dieser Turm wurde zum Symbol des gescheiterten Blitzkriegs

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Was bleibt, ist die Wanne.

© Ukrainian Forces

Was bleibt, ist die Wanne.

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Auch der von der Ukraine eingesetzte T-64 hat das Magazin unter dem Turm.

© Danil Shamkin/ / Picture Alliance

Auch der von der Ukraine eingesetzte T-64 hat das Magazin unter dem Turm.

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Ende eines Vorstoßes.

© Alexander Reka/ / Picture Alliance

Ende eines Vorstoßes.

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Nicht immer explodiert das Magazin.

© Maxym Marusenko/ / Picture Alliance

Nicht immer explodiert das Magazin.

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T-72 im einsatzfähigen Zustand.

© Stanislav Krasilnikov/ / Picture Alliance

T-72 im einsatzfähigen Zustand.

Womit wir wieder beim Anfang wären. Die Ukraine wehrt sich ungeachtet der schieren Übermacht weiterhin mit Klauen und Zähnen, der Westen stellt fleißig Schecks aus. So wird es weitergehen, bis eine Seite nachgibt. Und Putin wird es nicht tun. Für den Westen wäre die wohl komfortabelste Lösung, sollte sich Kiew dazu bereit erklären, den Donbass "abzuschreiben". Stand heute ist dies die Minimalbedingung für die Aufnahme ernsthafter Friedens- oder zumindest Waffenstillstandsverhandlungen. Allerdings, was den Begriff "Sieg" angeht, ist der Interpretationsspielraum in Brüssel ungleich weiter als in Kiew.  


Klar ist jedoch: Dieser Krieg wird – in welcher Form auch immer – irgendwann enden. An dieser Stelle muss der Westen die Gespräche mit Russland aufnehmen. Sollte Putin sich bis dahin im Sattel der Macht gehalten haben (was sehr wahrscheinlich ist), wird der Westen aus ökonomischer und sicherheitspolitischer Sicht auf eine "Normalisierung" der Beziehung zu Russland angewiesen sein. Bereits jetzt haben die massiven Sanktionen Russland allzu tief in die weit offenen Arme Pekings getrieben. Das Ende des Krieges in der Ukraine bestimmt somit auch den Anfang einer vielleicht nicht neuen, aber veränderten Weltordnung.


Das "kleinere Übel" Putin?

"Die Kriegsziele der Ukraine sind ihre Entscheidung, aber der Westen ist stark involviert und sollte entscheiden, welche Kriegsziele er unterstützen wird ", schreibt Patrick Porter, Professor für Internationale Sicherheit an der Universität Birmingham, in einem Meinungsbeitrag für das britische Magazin "The Critic". Ob der EU-Kandidatenstatus oder die mit Pathos vorgebrachte Zusicherungen von Wiederaufbauhilfen: Die diplomatischen Solidaritätsbekundungen des Westens sind in erster Linie symbolischer Natur. Sollte es Putin am Ende gelingen, einen Großteil oder gar das gesamte ukrainische Territorium für sich zu beanspruchen, sind all diese Versprechen null und nichtig. Schließlich würde die EU nicht die Zeche für eine russisch annektierte Ukraine zahlen, geschweige denn den Klientelstaat in die Gemeinschaft aufnehmen.


Der Gedanke, dass ein Waffenstillstand Putin nicht gedemütigt zurücklassen dürfe, bestimmt seit Langem die politische Debatte. Für die Ukraine sind die Befindlichkeiten des Kremlchefs selbstredend nicht einmal zweitrangig – schließlich kämpft das Land in erster Linie nicht gegen Putin, sondern für seine Freiheit.


Im Gegensatz zu Realisten wie Kissinger fordern "Maximalisten", wie Porter sie nennt, einen ukrainischen Sieg ohne Kompromisse, sprich: eine vernichtende Niederlage der russischen Streitkräfte mit anschließendem Nato-Beitritt der Ukraine. Einige unter ihnen, wie die US-amerikanische Journalistin und Historikerin Anne Applebaum, fordern gar, die Demütigung und Absetzung Putins zum Kriegsziel auszurufen. Diese Vorstellung mag den Gerechtigkeitssinn befriedigen, birgt jedoch ungeahnte Risiken. Der Sturz des Zaren wäre schließlich keine Garantie für eine demokratische Nachfolgeregierung.


Vielmehr droht das Gegenteil: Aus einer Palastrevolution könnte ein womöglich noch weitaus martialischerer Staatschef hervorgehen. Ein Mangel an nationalistischen und imperialistischen Ideologen an der Kremlspitze besteht schon jetzt nicht. Diese Vorstellung ist es, was in Washington, Berlin und Co. für Gänsehaut sorgt. Dass Putin "das kleinere Übel" sein könnte, mag sich verständlicherweise in der Ukraine niemand vorstellen. Ein wirtschaftlich am Boden liegendes Russland würde jedoch zum Spielball antiwestlicher Akteure werden. Ein weiterer Grund für den Westen, einen "gesichtswahrenden" Ausweg aus dem Krieg herbeizusehnen.


Sollte die Ukraine sich einen langen Atem leisten und die russischen Streitkräfte nicht nur in Schach halten, sondern verdrängen, so Porter weiter, würde Kiew in einem Anflug der Euphorie sicherlich die Krim ins Auge fassen. Das wiederum würde das atomar bis an die Zähne bewaffnete Russland gefährlich in die Enge treiben – eine Horrorvorstellung für die Diplomaten des Westens.


KRIEG IN DER UKRAINE

Lyssytschansk: Moskau feiert, Kiew gibt sich kämpferisch

Die Zeit wird knapp

"Der wahre Sieg der Ukraine liegt nicht auf dem Schlachtfeld, sondern in der Wiedergeburt nach dem Konflikt", ist sich hingegen Christopher Chivvis, ein ehemaliger US-Geheimdienstoffizier in einem Gastbeitrag für den britischen "Guardian" sicher. Angesichts der Tatsache, dass sich der Zermürbungskrieg zum Vorteil Russlands entwickle, müsse die Ukraine die Gelegenheit ergreifen, solange sie noch kann. So außergewöhnlich die Unterstützung auch sei, der Westen könne sie sich nicht ewig leisten. "Je länger sich der Krieg hinzieht, desto größer ist die Gefahr, dass die moralische Klarheit schwindet." In fünf Jahren gäbe es nichts wieder aufzubauen.  


So makaber es klingt: Wenn sich der Staub legt, wollen und müssen alle Parteien noch stehen. Um aus dieser zu gleichen Teilen moralischen, diplomatischen und militärischen Zwickmühle zu entkommen, bedarf es einer sicherheitspolitischen Vorstellungskraft, an der es derzeit mangelt. Ein Waffenstillstand – wer auch immer dafür gedemütigt wird – ist zudem kein Garant für dauerhaften Frieden, wie die jüngste Vergangenheit auf blutigste Weise gezeigt hat.


Ein Ziel haben der Westen und die Ukraine zweifelsohne gemein: das Ende des Sterbens. Doch über die Kosten ist man sich uneins. Es ist ein moralisches und politisches Dilemma, und womöglich eine Entscheidung zwischen Frieden und Unabhängigkeit. Denn die Ukraine lebt und kämpft im Heute, der Westen im Morgen.


Quellen: "The Critic"; "Politico"; "The Guardian"


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